Recht & Regulierung

Würfeln unter der Totenkopfflagge: Glücksspiel unter Piraten

~9 Min Lesezeit·von Klaudia Wirtz·Stand July 2026
An Bord eines Piratenschiffs galt eine raue Ordnung. Ausgerechnet das Glücksspiel, das man mit dem wilden Leben der Freibeuter verbindet, stand dabei oft unter Strafe. Ein Blick auf Würfel, Karten und die Regeln unter der Totenkopfflagge.

Würfel und Karten an Bord

Würfel gehörten zur Grundausstattung vieler Seeleute. Sie waren klein, billig und vertrieben die endlosen Stunden auf See. Besonders beliebt war das Würfelspiel Hazard, ein Vorläufer des heutigen Craps, bei dem auf das Ergebnis zweier Würfel gewettet wurde. Auch Kartenspiele kursierten an Deck, sobald ein Satz Karten den Weg auf das Schiff gefunden hatte. Spiele wie All Fours oder frühe Formen des Whist waren im England des 18. Jahrhunderts verbreitet und reisten mit den Männern über die Meere. Gespielt wurde um Tabak, um kleine Wertsachen und, wo es erlaubt war, um Münzen. Wochenlang sahen die Männer nichts als Wasser, und zwischen den Wachen blieb an Deck viel Leerlauf. Spiel und Wette füllten diese Lücke, lange bevor jemand ernsthaft über ihre Gefahren nachdachte. Auf einem Handels- oder Marineschiff war das eine harmlose Ablenkung. Auf einem Piratenschiff mit einer Kiste voll erbeuteter Münzen bekam dasselbe Spiel eine ganz andere Sprengkraft.

Das Spielverbot in vielen Piratenkodizes

Piraten lebten von Beute, die sie nach festen Anteilen aufteilten. Diese Ordnung war heikel. Ein Mann, der seinen Anteil beim Würfeln an einen Kameraden verlor, fühlte sich bestohlen, und zwar von der eigenen Mannschaft. In einer bewaffneten Gemeinschaft auf engem Raum führte das schnell zu Schulden und Streit, im schlimmsten Fall zu Blutvergießen. Genau deshalb verboten viele Schiffsordnungen, die sogenannten Articles, das Spiel um Geld an Bord. Jeder Neuankömmling musste diese Regeln unterschreiben oder beschwören, bevor er Teil der Mannschaft wurde. Das Verbot schützte die schwächeren Spieler vor den geübten und hielt die Mannschaft zusammen. Disziplin war für Piraten kein Selbstzweck, sondern eine Überlebensfrage, denn ein zerstrittener Haufen verlor im Gefecht. Der Ursprung dieser Regeln reicht zu den Bukanieren von Tortuga zurück, die schon im 17. Jahrhundert nach festen Abmachungen lebten. Ihre Gemeinschaften kannten sogar das Matelotage, eine Art Partnerschaft zweier Männer, die Beute und Besitz teilten. In einer solchen Ordnung war ein Spielschuldner ein Risiko für alle. Hinzu kam ein rechtliches Vakuum. Eine Spielschuld unter Piraten ließ sich nirgends einklagen, denn kein Gericht hätte einem Freibeuter zu seinem erwürfelten Gewinn verholfen. Blieb eine Schuld offen, drohte statt eines Urteils die Klinge. Das Verbot nahm dieser Eskalation die Grundlage, indem es das Spiel um Geld gar nicht erst zuließ.

Bartholomew Roberts und der Artikel gegen das Glücksspiel

Am bekanntesten ist die Schiffsordnung von Bartholomew Roberts, genannt Black Bart, aus den frühen 1720er Jahren. Sein Kodex umfasste rund elf Artikel, die das Leben an Bord regelten, von der Verteilung der Beute über das Verbot von Streit an Deck bis zur Versorgung von Verwundeten. Der dritte Artikel hielt knapp fest, dass niemand um Geld mit Karten oder Würfeln spielen dürfe. Aus heutiger Sicht liest sich das wie eine frühe Form der Selbstbeschränkung. Roberts war einer der erfolgreichsten Piraten seiner Zeit und soll in nur rund drei Jahren mehr als 400 Schiffe gekapert haben. Historiker führen diesen Erfolg auch auf die strenge Ordnung an Bord zurück. Andere Kapitäne gingen noch härter vor. Die Ordnung von John Phillips drohte demjenigen, der stahl oder um den Wert eines einzigen Silberstücks spielte, mit dem Aussetzen auf einer einsamen Insel oder dem Tod. Solche Strafen zeigen, wie ernst die Mannschaften das Thema nahmen.

Prisengeld und die Freiheiten an Land

Das Verbot galt an Bord, nicht an Land. Die Beute, das sogenannte Prisengeld, wurde nach einem festen Schlüssel verteilt. Der einfache Mann erhielt einen Anteil, der Kapitän und der Quartiermeister meist das Anderthalb- bis Doppelte, Steuermann und Schiffszimmermann etwas mehr als die Mannschaft. Für Verletzungen gab es feste Entschädigungen, ein verlorenes Bein wog schwerer als ein verlorener Finger. Sobald die Anteile in einem sicheren Hafen ausgezahlt waren, endete die strenge Ordnung. Die Aufteilung selbst folgte einem festen Ritual. Oft geschah sie am Großmast, vor den Augen der gesamten Besatzung, damit niemand betrügen konnte. Gezählt wurde in spanischen Silbermünzen, den berühmten Stücken von Acht, die sich zum Wechseln sogar in acht Teile zerhacken ließen. Erst wenn jeder seinen Anteil in der Hand hielt, war das Werk vollbracht, und die Männer waren frei, damit zu tun, was sie wollten. In berüchtigten Häfen wie Port Royal auf Jamaika oder Tortuga vor Hispaniola gaben die Männer ihre Anteile oft in kürzester Zeit wieder aus. Port Royal galt Zeitgenossen als einer der lasterhaftesten Orte der Karibik. In den Tavernen der Hafenstadt flossen Rum und Münzen, und was an Deck verboten war, lief hier offen: das Spiel um hohe Einsätze. Als ein Erdbeben 1692 große Teile von Port Royal im Meer versinken ließ, deuteten manche Prediger das als Strafe für die Ausschweifung. Der Kontrast zwischen See und Land war gewollt. Auf See herrschte Kontrolle, an Land die Freiheit. Diese klare Trennung machte das Verbot an Bord überhaupt erst durchsetzbar, weil die Männer wussten, dass ihre Freiheit nur aufgeschoben war.

Von den Schiffsregeln zu heutigen Limits

Die alten Articles wirken erstaunlich modern. Sie erkannten ein Problem, das auch heutige Anbieter kennen: Glücksspiel braucht Grenzen, damit es die Gemeinschaft nicht sprengt. Was früher ein Verbot an Bord war, sind heute Einsatzlimits, Verlustgrenzen und Sperrsysteme. Auch der Gedanke der festen Beuteanteile findet sich wieder, etwa in transparenten Auszahlungsquoten, die vorab feststehen. Die Rückvergütung von Verlusten, wie sie moderne Casinos über Cashback anbieten, folgt einem verwandten Gedanken, nämlich den Schaden für den Einzelnen zu begrenzen. Wie ein solcher Anbieter das im Detail handhabt, zeigt unser Blick auf die Erfahrungen mit dem Verde Casino. Und wie aus Würfeln und Walzen über die Jahrhunderte digitale Automaten wurden, zeichnen wir in der Geschichte der Online-Spielautomaten nach.